Es ist schon merkwürdig. Heute, da Akzeptanz und Toleranz in aller Munde sind, gibt’s unendliche viele Zeitgenossen, die meinen: An Gott glauben geht ja mal gar nicht. Echt nicht? Maren von Guérard ist da anderer Meinung und erklärt sich sehr persönlich. Dass sie sich dabei unter anderem auch als dumm bezeichnet, ist lediglich Ausdruck ihrer Weisheit.
Eine Träne rollt an meiner Wange hinunter. Heute macht sie Schluss, mit 23 Jahren. Zwei Menschen drücken sie sanft unter die Wasseroberfläche. Das macht mich glücklich. Meine Tochter lässt sich taufen. Ihr altes Leben ist beendet, sie ist ein neuer Mensch in Jesus. Halleluja!
Wie lange ich schon mit Jesus unterwegs sei, fragt mich nach dem Gottesdienst ein junger Mann, und ich sage: „1995 habe ich mich als junge Frau mutig für Jesus entschieden. Einfach starten, sich drauf einlassen, sehen, wohin die Reise mit Gott geht. Gleichzeitig hatte ich große Angst davor, dass Gott mir etwas wegnimmt, ich mich verändern muss, meine Wünsche und Ziele nicht mehr zählen. Spoiler: Ja, das alles trat ein. Und ich veränderte mich immer mehr zu einem dummen Schaf. Heute, nach mehr als 30 Jahren Christ sein muss ich zugeben: die damalige Entscheidung hatte schwerwiegende Folgen für mein restliches Leben.“ Da schaut er irritiert.
Ja, ich glaube. Halte den dreieinigen Gott und die Bibel für wahr, relevant und vertraue fest darauf. Ohne objektive Beweise, trotz scheinbarer Widersprüche. Das wird von der Mehrheit der nichtgläubigen Menschen um mich herum kopfschüttelnd als naiv, rückständig, ideologisch oder Besorgnis erregend interpretiert. „Du glaubst das wirklich?“
Gott nimmt was weg
Aber dieses Wegnehmen ist kein Raub. Es ist Befreiung. Durch Jesus und seinen Tod am Kreuz für mich ist mir alle Schuld vergeben. Neuanfang! Ich bin frei! Gibt es irgendetwas Besseres, Größeres, Wichtigeres? Er nahm mir auch einige Bedürfnisse, von denen ich dachte, ich kann nicht ohne sie leben. Alles selbst im Griff haben zum Beispiel, Rachegelüste aus Verletztheit, Machtund Geltungsbedürfnis, Bewerten und Verurteilen, materielle Wünsche. „Gib mir das“, sagte er. Ich musste mir nichts aus dem Herzen reißen, sondern er wartete geduldig und sanft, bis ich es loslassen und in seine Hand legen konnte. Manches veränderte er, ohne dass ich es bewusst wahrgenommen hatte. Und plötzlich war es weg.
Gott gibt mir was Gott ist die Zukunft
Ja, ich darf Schaf sein, denn er ist mein guter Hirte. Ich bin ein dummes Schaf, kenne meine Weide einigermaßen, aber die Welt darüber hinaus? Früher bildete ich mir ein, ich hätte zumindest einen groben Überblick. Aber das Leben und diese Welt sind gigantisch komplex. Ich brauche Gott als meinen allwissenden, allmächtigen Hirten, der mich versorgt mit den elementaren Dingen des Lebens. Von ihm bekomme ich Trost, Zuspruch, Wert, Ruhe. Zu ihm kann ich mit meinen Fragen und Sorgen kommen, meine Wünsche äußern. Der Heilige Geist gibt mir die perfekte Regieanweisung für mein Leben. Durch die Bibel redet er zu mir, ganz persönlich und ich kann sein Wesen immer besser erkennen. Doch manchmal höre ich nicht so genau hin, laufe schon mal allein los, so wie ein Schaf ohne den Hirten. Der Löwe schleicht umher, sucht ein einsames Opfer. Aber mein Hirte beschützt mich. Auch wenn ich durch das ein oder andere tiefe Tal gehen muss, ist er bei mir. Denn diese Täler gehören zur Topografie meines Lebens. Ich liebe Psalm 23.
Gott hat´s in der Hand
Wenn ich Nachrichten höre, digitale Medien anschaue, draußen unterwegs bin, merke ich: es läuft. Aber rückwärts und bergab. Kriege, Krisen, Nöte, Narzissmus, weltweit und im eigenen Lebensumfeld. Entscheidungen der großen und kleinen Trumps und Putins dieser Welt machen sprachlos. Familiäre Krisen, Krankheiten, wirtschaftliche Nöte bedrängen mein Umfeld, und ich erinnere mich an viele persönliche Wüstenzeiten. Ohne meinen Glauben an Gottes Plan, seine Allmacht und seine Liebe zu mir könnte ich schon heute einpacken. Alles sinnlos!? „Wo ist dein lieber Gott denn jetzt?“ spotten sie. Ich weigere mich, der Angst Raum zu geben. Sie kann helfen, ins Handeln zu kommen, aber auch lähmen und töten. Mein Gott hat alles im Blick. Und er handelt. Eher nicht so, wie ich mir das vorstelle. Aber mit seiner Weisheit, zu seiner Zeit, nach seinem Plan. Sein Wort sagt mir so oft: „Fürchte dich nicht“. Das ist der häufigste Zuspruch in der ganzen Bibel! Daran will ich glauben und mich festhalten. Auf Gott vertraue ich.
Denn Gottes Zusage geht weiter: „… denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist Mein.“ Deshalb werde bei ihm sein – in alle Ewigkeit. Ob Jesus morgen wiederkommt, ich vom Bus überfahren werde, in Ruhe und Frieden mit 100 Jahren sanft einschlafe, oder mir irgendwann von den Mächtigen dieser Welt per Knopfdruck oder Drohne das Licht ausgeblasen wird. Meine Wohnung bei ihm ist bereit. Er gibt mir ewiges Leben, was auch immer hier mit seiner Schöpfung passieren wird. Australien hatte mal den Tourismus- Slogan: „Gleicher Planet. Andere Welt“. Ich finde, das ist ein treffender Ausdruck für mein Christenleben. Ich lebe in der irdischen Welt, gleichzeitig gehöre ich als Königskind in sein Königreich, das in Ansätzen schon auf dieser Welt sichtbar, aber eben nicht von dieser Welt ist. In seinem Reich gehen die Uhren anders, die Regeln unserer sichtbaren Welt werden dort auf den Kopf gestellt. Sein Wort ist mein Maßstab, Wegweiser und Entscheidungshilfe. (M)ein Leben – gleichzeitig in zwei Realitäten.
Ich verbringe Zeit mit Gott im Alltag. Schütte mein Herz aus, warte und höre auf ihn, lese, lerne, singe, denke, bete. So oft es geht. Gerne auch an ungewöhnlichen Orten. Er ist der Freund an meiner Seite. Ich danke Gott. Für das tägliche Brot, mein Zuhause, die scheinbar so selbstverständlichen Kleinigkeiten, erhörte Gebete, Herausforderungen, seine Nähe und unwandelbare Liebe – und vor allem seine Vergebung, die jeden Tag neu ist. Die Gründe, ihm dankbar zu sein, werden jeden Tag mehr. Unsere Beziehung wächst. Und mein Vertrauen zu ihm. Jeden Tag weiter und tiefer. In dieser Welt gehe ich an seiner Hand durch Täler, über Höhen, staubtrockene Wüsten und bunte Wiesen.


