Kolumne

Erst mal tief durchatmen

Aus der Ausgabe Herbst 2026

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Ich saß mal wieder meiner Mentorin und Seelsorgerin Käte gegenüber; ihr Zimmer ganz in rosa getränkt und mit Häkeldeckchen ausgestattet. Bei einer Tasse dampfenden Tees erzählte ich ihr dann, dass ich so oft das Gefühl habe, nicht gut genug zu sein. Obwohl ich in einem liebevollen christlichen Elternhaus aufgewachsen bin, hatte ich doch als Kind so manches Mal das Gefühl, dass ich nicht reiche. Dass meine Leistungen nicht genügten. Dass ich zu empfindsam war. Zu langsam. Und dann war da noch die Tatsache, dass ich auch nur die Nummer Zwei von uns Zwillingen bin; immer der Erstgeborenen hinterher. So hatten sich im Laufe der Zeit reichlich Lebenslügen in mein Herz geschlichen und ich lebte mit ihnen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Ich hielt sie einfach für wahr. Natürlich zeigte sich das auch in meinem Verhalten, sodass ich so manches Mal mit meinem Selbstbewusstsein oder der Angst vor dem Versagen zu kämpfen hatte.

Immer wieder versuchte ich, Gott meine Selbstzweifel hinzulegen und bat ihn, sie mir abzunehmen. Wenn das nicht half, probierte ich sie mit viel Anstrengung zu überwinden, ihnen etwas entgegenzusetzen, Lösungen zu finden, mein Verhalten zu reflektieren und, wo nötig, anzupassen. Ich tat, was ich konnte! Was blieb, waren Kämpfe, Versagen und Verlustkontrolle; ich fühlte mich wie im Hamsterrad.

„Ich hatte diese Verse schon so oft gelesen oder gehört, aber sie hatten nie wirklich ihre Wirkung in mir entfaltet. Bis zu diesem Abend!“

Das ist Evangelium!

Und so saß ich nun also bei Käte im rosaroten Zimmer, frustriert und mit Tränen in den Augen. Sie hörte zu, wie ich meinen Frust rausließ, und meinte nur: erst mal tief durchatmen. Und dann sollte ich meine Bibel aufschlagen und 2. Korinther 5 Vers 17 lesen: „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ An diesem Abend sprach mir Käte zu, was ich im Grunde längst wusste. Dass ich in Jesus bin (schließlich hatte ich mich bereits als Zehnjährige entschieden, ihm nachzufolgen …) und dass ich durch ihn eine neue Kreatur bin, nicht gebunden an Lebenslügen und Verhaltensmuster. Frei! Jesus hat Neues geschaffen und ich darf in diesem neuen Leben unterwegs sein und meine Lebenslügen daran erinnern, dass sie weder Recht noch Macht über mich haben. Wow! Ich hatte diese Verse schon so oft gelesen oder gehört, aber sie hatten nie wirklich ihre Wirkung in mir entfaltet. Bis zu diesem Abend! Dieser Abend half mir, ein anderes Mindset zu meinen Gefühlen, Glaubenssätzen oder Lebenslügen zu haben. Das war und ist Evangelium.

Natürlich sind seit der Begegnung nicht alle schlechten Gedanken verflogen und noch immer gibt es Momente und Situationen, in denen ich glaube, nicht gut (genug) zu sein. Aber immer schneller halte ich das Wort Gottes dagegen, denn das ist die Gute Nachricht für mein Leben. Und letztens, direkt nachdem ich einen Workshop für einen Verein geleitet hatte, bekam ich dort ein T-Shirt geschenkt, auf dem genau dieser Vers stand. Gott wollte mich an die Wahrheit erinnern!

Evi Rodemann

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