Bibel verstehen

Frei sein ist so wunderbar

Aus der Ausgabe Herbst 2026

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Freiheitskämpfer, sondern auch viele von uns haben vielleicht eine DNA-Verbindung zu den Empfängern des Galaterbriefes. Aber es ist nicht diese kuriose biologische Verknüpfung mit den Galatern, die mich am meisten fasziniert, viel mehr fällt mir die Sehnsucht nach Freiheit auf, die wir mit den Galatern gemeinsam haben.

Kaum etwas aus der imaginären Szene steht so sehr für den Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit wie Asterix und Obelix und ihr ganzes unbeugsames Dorf. Seit mehreren Generationen sind die Comics über ihren humorvollen Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit von den Römern beliebt. Vielleicht, weil die Sehnsucht nach Freiheit in uns allen so tief verwurzelt ist. Diese Sehnsucht hatten wohl auch die Galatischen Christen schon, denn sie nahmen den Glauben an Christus dankbar an, einen Glauben, der ihnen Freiheit vom Zwang der Religion gab.

„Der Zwang, Gott durch die Einhaltung des Gesetzes gnädig zu stimmen, hat die Sehnsucht nach Erlösung und Freiheit in uns enorm begünstigt.“

Da ist wirklich nur ein Weg

Nach Paulus gibt es allein durch Christus Freiheit von dem Zwang, Gott gnädig stimmen zu müssen. Diese Freudenbotschaft verkündigte er. Das hatte die Galater im Tiefsten angesprochen, denn sie alle, egal ob sie an römische, griechische, anatolische oder keltische Götter glaubten, wussten tief in sich drin: Ich bin gegenüber Gott – oder den Göttern – Rechenschaft schuldig. Und alle, welchen Glaubens auch immer, wurden getrieben von dem Gedanken, Gott – oder die Götter – besänftigen zu müssen, um nicht bestraft oder gar verdammt zu werden. Ihr Leben war von ihrer Religion bestimmt. Gebete, Opfer, Versammlungen und Zeremonien durchzogen ihr Leben wie ein roter Faden. Immer unter dem Druck, sich die Götter gewogen zu machen.

Nicht anders ging es den Juden, erklärt Paulus. Eingekerkert und gefesselt an Regeln und Gesetze lebten sie, um Gott zu gefallen. Dass diese Fesseln einmal gesprengt würden, hatte Gott seinem Volk aber versprochen. Und nun hatte er das Versprechen wahr gemacht. In seinem Sohn Jesus Christus war er selbst Mensch geworden und hatte seine Maßstäbe fürs Menschsein vollkommen neu definiert.Und Jesus hatte stellvertretend die Verfehlungen aller Menschen gegen sich selbst am Kreuz restlos gesühnt. Paulus hatte es erlebt: Wenn ich dem, was Jesus getan hat, vertraue, wenn ich glaube, dass er mich durch sein Opfer gerecht macht, dann fällt aller Zwang, Gott Genüge tun zu müssen, ab und ich bin frei. Das ist Evangelium, das ist absolute Freudenbotschaft!

Die Sehnsucht nach Befreiung

Dennoch, erklärt Paulus, hat das Gesetzt und der Druck, der dadurch entsteht, seinen Sinn gehabt. Das Gesetz war wie ein strenger Erzieher, ein Zuchtmeister, übersetzte Luther, auf Christus hin. In anderen Worten: Der Zwang, Gott durch die Einhaltung des Gesetzes gnädig zu stimmen, hat die Sehnsucht nach Erlösung und Freiheit in uns enorm begünstigt. Und damit sind wir auch wieder bei uns und im Heute. Die Wenigsten von uns Mitteleuropäern leben heute unter dem empfundenen Druck, Gott gefallen zu müssen. Der Gedanke, dass wir Gott Rechenschaft schuldig sind, an seinen Maßstäben gemessen werden und ihn irgendwie gnädig stimmen müssen, ist den Meisten heute völlig fremd und sie schütteln nur ungläubig den Kopf. Vielmehr scheint es so, als wären nicht wir ihm, sondern Gott den Menschen Rechenschaft schuldig. Dennoch trifft auf uns zu, was Paulus sagt: Alles, was vor dem Glauben war, gebraucht Gott, um in uns eine Sehnsucht nach Freiheit zu erwecken.

Gott hat nur ein Ziel für uns Menschen: dass wir in Beziehung mit Ihm leben. Dazu hat er uns gemacht. Und seit die Beziehung der Menschen zu ihm (damals, im Garten Eden …) in die Brüche ging, tut er alles, um uns in diese Beziehung zurückzuholen. Darum gibt er uns eine Sehnsucht nach Freiheit. Ob wir nun in der Unfreiheit der Gesetzlichkeit leben, oder ob wir Gott und seine Maßstäbe ignorieren und ablehnen, gleichzeitig aber unter dem Druck stehen, ein gutes, erfülltes und glückliches Leben zu leben; in uns ist die Sehnsucht nach Befreiung. Gott löst sie aus, damit wir zu ihm kommen und uns von Ihm befreien lassen. Denn es gilt, was Johannes in Kapitel 8, Vers 36 schreibt: „Wenn euch der Sohn frei macht, dann seid ihr wirklich frei“. Und damit tut sich nun eine doppelte Frage auf: Was macht die Freiheit mit uns und was machen wir mit der Freiheit?

So wollte ich schon immer sein

Nicht nur die freiheitsliebende Pipi Langstrumpf singt „frei sein ist wunderbar“, auch Paulus erklärt den Galatern in seinem Brief: Der Glaube an das Evangelium von Jesus Christus macht frei und bringt wunderbare Veränderung in unser Leben. Durch den Glauben wird tatsächlich möglich, so zu sein, wie wir schon immer sein sollten! Und das, was unser Leben schon lange belastet hat, können wir endlich loslassen. Wenn wir uns darauf einlassen, Jesus Christus und seinem Evangelium zu vertrauen, sind wir fortan nicht mehr allein mit uns und unserem Sein. In dem Moment, in dem wir Gott unser Herz, unser Leben öffnen, lässt er sich nicht lange bitten, und zieht ein. Gott ist Geist, und deshalb kann er in uns leben. Er wirkt dann nicht mehr nur von außen auf unser Leben ein, sondern ist plötzlich in uns die Kraft, die uns so leben lässt, wie es gut ist.

„Die, die zu Jesus gehören, haben das, was sie nicht tun wollen, hinter sich gelassen. Sie haben die Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.“

Die Philosophie spricht von zwei Kategorien der Freiheit: Es gibt zum einen die „negative“, auch passive Freiheit genannt. Hier geht es darum, nicht tun zu müssen, was ich nicht will. Also zum Beispiel die Meinungsfreiheit, die garantiert das niemand einem anderen eine Meinung aufzwingen darf, die der nicht haben will. Zum anderen gibt es die „positive“ Freiheit, auch als „aktive“ Freiheit bezeichnet. Sie sagt aus, dass jemand frei ist zu tun, was er tun will. Ein Beispiel dafür wäre etwa die Barrierefreiheit, die garantiert, dass Menschen mit Beeinträchtigungen gleichen Zugang und Teilhabe haben, wie Menschen ohne. Sie können tun und erreichen, was sie wollen.

Die Kraft Gottes im Leben

Beide Bereiche spricht Paulus auch in den Versen 22 bis 24 im Galaterbrief, Kapitel 5 an. Er sagt und beschreibt: Die, die zu Jesus gehören, haben das, was sie nicht tun wollen, hinter sich gelassen. Sie haben die Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Auf krasseste Weise drückt Paulus hier aus, dass Menschen durch Christus mit dem brechen können, was sie umtreibt und letztlich kaputt macht. Sei es die Fokussierung auf Wohlstand, Macht und Ansehen sei es der lockere Lifestyle geprägt von Sex, Alkohol und Party oder die stumpfe Sucht nach Kariere und Erfolg. All dem, was so viel Erfüllung verspricht und doch so wenig hält, können Menschen mit der Hinwendung zu Christus auf einmal eine positive Wendung geben. Mit Jesus tritt die Kraft Gottes ins Leben! Gleichzeitig kommt durch den Heiligen Geist auch die aktive Freiheit dazu. Durch ihn können wir Werte leben, die zwar auf den großen Bühnen der Welt keine besondere Rolle spielen, die aber unser Leben lebenswert machen: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Wer möchte nicht durch diese Attribute gekennzeichnet sein? In der Freiheit des Evangeliums können diese Eigenschaften als Lebenshaltung durch Gottes Geist in uns wachsen. Frei sein ist so wunderbar!

Tillmann Klein

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