Rat für den Alltag

Ich komm‘ ganz gut mit mir zurecht

Aus der Ausgabe Frühling 2025

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Es geht nicht nur darum, die eigenen „Ticks“ und Verhaltensmuster zu erkennen, sondern auch zu akzeptieren, dass Perfektion eine Illusion ist. Der erste Schritt auf diesem Weg ist die Bereitschaft zur Selbstreflexion: Was treibt mich an? Was bereitet mir Freude? Welche Muster wiederholen sich in meinem Leben, und warum? Die Antworten auf diese Fragen sind nicht immer komfortabel, doch sie bilden die Grundlage für persönliches Wachstum.
 

Chance zum Lernen

Gelassenheit üben bedeutet auch, die Fähigkeit zur „Selbstfreundlichkeit“ und „Selbstmitgefühl“ zu entwickeln. In einer Welt, die oft von Leistungsdruck und Vergleichen geprägt ist, fällt es vielen schwer, freundlich mit sich selbst und anderen umzugehen. Gelassenheit bedeutet jedoch nicht, sich mit den eigenen Fehlern abzufinden, sondern sie im größeren Kontext zu betrachten und mit einem gewissen inneren Abstand anzunehmen. Fehler sind keine Gründe zur Selbstverurteilung, sondern „Chancen zum Lernen“. Selbstfreundlichkeit schafft eine gesunde Basis für dieses Lernen. Sie ist eine essenzielle Fähigkeit, die sowohl unsere zwischenmenschlichen Beziehungen bereichert als auch unser eigenes Wohlbefinden fördert. Sie bedeutet, sich selbst mit der gleichen Freundlichkeit und Fürsorge zu begegnen, die wir einem geliebten Menschen entgegenbringen würden. Dazu helfen uns Empathie und Impathie, und sie markieren zwei Seiten einer Medaille.

Ich kann dich verstehen

Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle und Perspektiven eines anderen Menschen wahrzunehmen und nachzuvollziehen. Sie verbindet Verstand und Herz und ermöglicht es, das Erleben eines anderen zu verstehen und mit seinen Emotionen mitzufühlen. Es gibt zwei Formen davon: Zum einen die „Kognitive Empathie“ – Das intellektuelle Verstehen der Gedanken und Gefühle eines anderen. Zum anderen die „Emotionale Empathie“ – Das Mitfühlen mit den Emotionen des anderen, bis hin zur Aneignung dieser Gefühle. Empathie schafft tiefere Beziehungen, weil sie Nähe und Vertrauen fördert. Sie hilft uns, Konflikte zu lösen, Brücken zu bauen und einfühlsam auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Empathie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Fähigkeit, die wir entweder besitzen oder bewusst entwickeln können. Sie basiert auf Offenheit und der Bereitschaft, zu verstehen, ohne sofort zu bewerten.

Schutz durch Distanz

Der Begriff Impathie ist weniger geläufig und wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich interpretiert. Im Kern beschreibt Impathie die Fähigkeit, emotionale Distanz zu wahren, um sich nicht von den Gefühlen oder Problemen anderer überwältigen zu lassen. Sie ergänzt die Empathie und ermöglicht es, Mitgefühl zu zeigen, ohne dabei die eigenen Grenzen zu überschreiten. Diese Balance ist entscheidend für unser emotionales Wohlbefinden und für nachhaltige Beziehungen, sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Kontext. Impathie schützt den Einzelnen und stärkt zugleich die Qualität der Unterstützung, die wir anderen bieten können.

„Impathie ergänzt die Empathie und ermöglicht es, Mitgefühl zu zeigen, ohne dabei die eigenen Grenzen zu überschreiten.“

Bitte schön ausgewogen

Die Balance zwischen Empathie und Impathie stärkt Beziehungen und fördert eine authentische Verbindung. Empathie ermöglicht tiefes Verstehen und Nähe, während Impathie dafür sorgt, dass diese Beziehungen nachhaltig und gesund bleiben. Auf gesellschaftlicher Ebene führt diese Balance zu einem mitfühlenden, aber zugleich resilienteren Umgang miteinander. Empathie fördert Solidarität, während Impathie uns vor Überforderung schützt. Empathie entsteht durch aktives Zuhören – durch das echte Interesse, zu verstehen, was der andere sagt, ohne sofort eine Antwort zu geben. Dies führt oft zu einem Perspektivwechsel und lässt uns in die Lage des anderen eintauchen. Daraus entsteht eine Achtsamkeit, die uns für die vielschichtigen Signale und die Gefühlswelt des Gegenübers sensibilisiert. Impathie hingegen ist die aktive Form der Selbstreflexion. Sie bedeutet, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Impathie lehrt uns, „Nein“ zu sagen, ohne dabei zurückzuweisen. Sie ermutigt uns, klare, aber freundliche Absagen zu geben, wenn uns die Unterstützung eines anderen überfordert. Impathie führt zur Selbstfürsorge – sie ermutigt uns, uns Zeit für Regeneration zu nehmen, um dann wieder für andere da sein zu können. Und die Balance zwischen Empathie und Impathie führt zur Dankbarkeit. 

Gesund und widerstandsfähig

Dankbarkeit ist mehr als nur ein höfliches „Danke“ – sie ist eine innere Haltung, die uns lehrt, das Positive und Konstruktive im Leben wahrzunehmen. Statt uns auf Mängel oder Defizite zu konzentrieren, hilft uns Dankbarkeit, das Vorhandene wertzuschätzen. Studien belegen, dass dankbare Menschen oft zufriedener, gesünder und widerstandsfähiger sind. Dankbarkeit verändert unsere Perspektive und stärkt unsere emotionale Widerstandskraft. Selbst in schwierigen Zeiten macht sie kleine Lichtblicke sichtbar und erinnert uns daran, dass auch Herausforderungen Potenzial für persönliches Wachstum bieten. Sie schafft ein Gefühl von Fülle und verbindet uns mit den Menschen und Dingen, die unser Leben bereichern. Dankbarkeit bedeutet auch, das Leben mit Ruhe und Ausgeglichenheit zu akzeptieren. Sie ist nicht das Ergebnis eines perfekten Lebens, sondern einer bewussten Haltung, die sich auf das konzentriert, was wir kontrollieren können und das Unkontrollierbare loslässt. Dankbarkeit ist der Nährboden für inneren Frieden. Dankbarkeit und Gelassenheit sind eng miteinander verknüpft: Dankbarkeit hilft uns, die Schönheit des gegenwärtigen Augenblicks zu erkennen, während Gelassenheit es uns ermöglicht, mit Herausforderungen friedvoll umzugehen. Zusammen fördern sie eine Haltung, die sowohl das Herz als auch den Geist öffnet – für Freude, Wachstum und ein erfülltes Leben.

Die bewusste Praxis von Dankbarkeit und Gelassenheit bereichert nicht nur unser eigenes Leben, sondern strahlt auch auf unsere Beziehungen und unser Umfeld aus. Sie sind mächtige Werkzeuge, die uns in einer hektischen und oft anspruchsvollen Welt dabei helfen, innerlich ruhig und zufrieden zu bleiben.

Mathias Hühnerbein

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