Kolumne

Und dann erst das Wachstum

Aus der Ausgabe Sommer 2026

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Ich gestehe: „Mach schnell“ ist einer meiner Antreiber, also eine meiner intrinsischen Motivationen. Es motiviert mich, Sachen schnell zu erledigen. Dann habe ich das Gefühl, sinnvoll und effektiv zu sein. Dann fühle ich mich produktiv und gut, auch gut genug. Aber immer wieder merke ich, dass ich an meine Grenzen komme und dass zum Beispiel geistliches Wachstum eben nicht schnell geht. Oder dass Situationen sich nicht immer schnell lösen lassen. Manches muss ich aushalten und erkennen, dass es gar nicht darum geht, gut genug zu sein, sondern immer wieder in dem zu ruhen, was Gott mir anvertraut und auch zutraut.

Wichtige Wochen

Vor ein paar Monaten stellte ich mich im Krankenhaus für eine Hüftoperation vor. Nachdem ich mir alles mehr oder weniger angehört hatte, fragte die Ärztin mich, ob ich Bedenkzeit benötige. Nein, erwiderte ich, ich wäre schon mit einem Wunschtermin gekommen. Und tatsächlich bekam ich den und sechs Wochen später lag ich unter dem Messer. Die Entscheidung für die OP zu treffen, ging schnell, aber so ganz bewusst war mir nicht, wie lange die Wiederherstellung danach dauern würde. Und, oh wow, ich hatte keine Ahnung, durch welche Schmerzen ich anschließend durchmusste. Wie hart es war, trotz Schmerzen aus dem Bett zu steigen. Mich trotzdem zu bewegen und mich langsam auf Krücken vorwärtszubewegen. Und da spreche ich nicht von ein paar Tagen, sondern von Wochen! Wochen, in denen ich Hilfe benötigte. Wochen, in denen ich Fortschritte machte und Rückschläge einstecken musste. Wochen, in denen ich vermehrt auf meinen Körper hören musste. Da bekam ich plötzlich Zeit, mir Gedanken zu machen. Zu reflektieren. Dinge durchzukauen, zu denen ich sonst in meinem von mir gern so sehr vollgepackten Leben oft nicht komme. Zeit, um zu lesen, denn wer will schon den ganzen Tag netflixen? Zeit, um mit Menschen in Kontakt zu treten, an die ich plötzlich erinnert wurde. Zeit, die ich plötzlich hatte. Und brauchte. Aber ich brauchte auch noch etwas anderes, nämlich Geduld.

„Zeit, die ich plötzlich hatte. Und brauchte. Aber ich brauchte auch noch etwas anderes, nämlich Geduld.“

Durchhalten dauert

Mitten in all dem, da, wo manches sehr schmerzhaft ist, wo es sich nicht nach Erfolg und Segen anfühlt, ist Gott am Wirken. Auch wenn es nicht direkt sichtbar ist und ich lernen muss, Gott für die nächsten Schritte – gerade ja tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes – zu vertrauen. Vertrauen, auch wenn ich nicht alles verstehe, wenn ich mich in Geduld üben muss und weiß: er ist da, auch wenn ich ihn nicht spüre! Ich bin in diesen Wochen und beim Reflektieren meiner Situation über das neutestamentlich griechische Wort „hypomonē“ gestolpert. Das steht unter anderem in Römer 5 und bedeutet, dass Leiden Durchhalten produziert. Erst kommt der Druck, dann das Durchhalten und dann erst das Wachstum. So entwickelt sich Geduld und Tiefe. Das dauert. Und macht stark! Es schafft eine langsame Stärke, die hilft, mit Menschen, Erlebnissen oder Schmerzen umzugehen, ohne in Verzweiflung oder Wut zu geraten. Genau in dieser Zeit brauche ich eine Theologie, die mehr beinhaltet als nur das Wohlfühlevangelium.

So humpele ich also gerade durchs Leben, nutze die Zeit, um innerlich und äußerlich Muskeln aufzubauen und zu trainieren. Damit ich noch lange mit Gott und meinen Knochen laufen kann. 

Evi Rodemann

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