Rat für den Alltag

So schön friedlich

Aus der Ausgabe Winter 2025

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Ich fahre vom Weihnachtsmarkt nach Hause. Im Rückspiegel sehe ich die liebevoll mit Lichterketten dekorierten 
Verkaufsbuden kleiner werden, der Geruch von über offenem Feuer gebratenen deftigen Leckereien hängt in meinen Haaren, die Lippen kleben noch etwas von Weihnachtspunsch und Puderzucker. Mit von Stimmengewirr und Weihnachtsliedern gesättigten Ohren geht meine Fahrt einige Kilometer über Land in die Dunkelheit. Auf der Suche nach Mineralwasser auf dem Rücksitz halte ich an und steige aus. Stille. Nacht. Sternenhimmel. Kalte, klare Luft. Ich atme tief durch. Herrlich. Eine Sternschnuppe überzieht den Himmel. 

Gott zu ehren

Plötzlich kommt mir die Botschaft der Engel an die Hirten auf dem Feld in den Sinn: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lukas 2,14). Schlicht und einfach, gleichzeitig unfassbar groß und illusorisch. Mit der Wasserflasche in der Hand kehre ich hinter das Steuer zurück. Ich mag noch einen Augenblick die Ruhe genießen, öffne das Fenster und schaue in den dunklen Himmel. Während meine Hand immer mal wieder in der Tüte mit den gebrannten Mandeln verschwindet, lasse ich meinen Gedanken freien Lauf.

Ich habe diese Weihnachtsbotschaft schon oft gehört. Aber habe ich sie wirklich verstanden? Was bewirken die Worte der Engel in meinem Leben? Ehre sei Gott in der Höhe – der wahre Grund für Weihnachten. Ehre sei Gott in der Höhe. Ihm allein. „Jesus is the reason for the season“ – Jesu Geburt ist der Grund, warum ich Weihnachten feiere. Gott hat mir seinen einzigen Sohn als das kostbarste Geschenk aller Zeiten in Windeln eingepackt in die Krippe gelegt. Gott zu Ehren haben deshalb bei mir in rote Mäntel gehüllte, alte Männer mit langem weißem Rauschebart schon lange Hausverbot. Außerdem geht mir deren ständiges „Ho-Ho-Ho“ sowieso auf die Nerven. Die schicken vollbepackten Rentier-Schlitten, die Weihnachtselfen und pausbackig grinsenden Engelchen habe ich in die Kunstschnee-Wüste geschickt. Keine „Happy x-mas“-Karten, keine Schoko-Weihnachtsmänner. Wie toll, dass es mittlerweile die leckeren „echten“ Nikolaus-Figuren mit Bischofsmütze und Hirtenstab gibt. Meine Entscheidung spornt mich an, die wahre Geschichte zum Thema zu machen. Denn stell dir vor, du hast Geburtstag, aber deine Gäste gratulieren und beschenken jemanden, der dich nicht mal kennt – und das jedes Jahr.

„Eine Beziehung mit Gott zu haben, ist nicht zu vergleichen mit all den anderen Beziehungen, die ich hier auf der Erde habe.“

Gott zu danken

Schade, dass ich nicht handwerklich oder künstlerisch begabt bin, sonst würde ich missionarisch christliche Weihnachtsdeko entwerfen. Mein Denken, Fühlen und Handeln ändern sich, weil und wenn ich Gott ehre. „Gott in der Höhe“ bedeutet für mich unter anderem auch, dass er den absoluten Überblick hat, ich meine täglichen Lasten nicht allein tragen muss. Alles darf ich abgeben an ihn – und in mir kann es dadurch friedlich werden. Der Friede auf Erden, er beginnt ganz klein hinter meiner Tür. Jeden Tag neu habe ich die Möglichkeit, mich für Frieden zu entscheiden. Zum Beispiel für Frieden in mir. Das eigene Spiegelbild morgens freundlich begrüßen, meinen Kaffee „to stay“ statt „to go“ zu nehmen, keine abwertende Selbstkritik, kleine Freiräume schaffen, Gott dankbar sein und mich seiner Vergebung und Führung anvertrauen. Habe ich Frieden in mir, wirkt sich das auf mein Umfeld aus. Ganz schlicht von der Gnade für den Vordrängler an der Supermarktkasse über ein freundliches Wort für die gestresste Arzthelferin bis hin zu Akzeptanz statt Maulerei über nicht von mir beeinflussbare Lebenssituationen. Mein inneres Friedenslicht kann scheinen, weil Gott es immer und immer wieder anzündet.

Wo habe ich heute oder in den kommenden Tagen eine Möglichkeit, Frieden zu verbreiten? Ich möchte meine Augen dafür offenhalten. In meiner Wohngegend finden sich immer mal wieder Aufkleber mit dem Spruch: „Das Leben ist schon hart genug, seid wenigstens nett zueinander – Team Radikale Freundlichkeit“. Da ist was dran. Jesus hat mich beauftragt, meinen Nächsten zu lieben. 

Gott zu folgen

Um lieben zu können, muss ich aber zuerst einmal selbst Liebe erfahren haben. Je besser ich Gott und seine Eigenschaften kennenlerne, desto mehr kann ich ihm vertrauen. Und er wünscht sich nichts mehr als mein „Ja“ zu ihm. Er möchte mich sicher durchs Leben führen, hat einen Plan für ein gelingendes Leben und reicht mir seine Hand, damit ich mich an ihr festhalten kann. Weil er mich geschaffen hat. Weil er mich liebt. Weil er eine Beziehung mit mir haben möchte. Eine Beziehung mit Gott zu haben, ist nicht zu vergleichen mit all den anderen Beziehungen, die ich hier auf der Erde habe. Gottes Liebe zu mir ist einzigartig. Und vor allem: Sie ist bedingungslos. „Gottes Liebe zu uns zeigt sich darin, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn das ewige Leben haben. Und das ist die wahre Liebe: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns zuerst geliebt und hat seinen Sohn gesandt, damit er uns von unserer Schuld befreit. (1. Johannes 4,9–10)

Er liebt mich nicht aufgrund dessen, wie ich mich verhalte. Es gibt nichts, was ich tun könnte, damit Gott mich mehr liebt, als er es sowieso schon tut – und es gibt nichts, egal was ich auch immer tun werde, was bewirken würde, dass Gott mich weniger liebt. Er liebt mich viel mehr, als ich mich selbst oder ein anderer mich jemals lieben könnte. Für mich ist das die Definition von „Menschen des Wohlgefallens“. „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dich zu mir ge-zogen aus lauter Gnade.“ (Jeremia 31,3). Diesen Gott möchte ich ehren. Die Beziehung mit ihm schenkt mir Frieden und ermöglicht es mir, ihn in die Welt zu tragen. Weil er Wohlgefallen an mir hat und mich liebt – bis ans Ende der Welt und darüber hinaus.

Beschenkt trete ich den Rest meiner Heimfahrt an. Als ich die nächste Ortschaft erreiche, kribbelt es mir ein bisschen in den Fingern. Einem sich an einer Fassade abseilenden aufblasbaren Weihnachtsmann würde ich doch zu gerne den Stecker ziehen …

Bibelstellen

Maren von Guérard

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