Lebensgeschichte

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Aus der Ausgabe Winter 2024

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Ich war achtzehn und benötigte nicht weniger als ein neues Herz. Meine Eltern und ich lebten nun schon monatelang in dem kleinen Appartement, einen Block vom medizinischen Zentrum von Stanford in Palo Alto, Kalifornien, entfernt. Hier warteten Patienten wie ich auf eine Organtransplantation. Meine Mutter telefonierte mit meiner Großmutter, die in unserem Haus in Napa war, und meldete uns an: „Wir kommen nach Hause!“, sagte sie. „Lasst uns richtig Weihnachten feiern!“ Als wir drei unsere wenigen Habseligkeiten zusammenpackten, war ich innerlich zerrissen: Ohne eine Transplantation würde ich sehr bald sterben. Welchen Sinn hatte es da, jetzt Weihnachten zu feiern?

Alles umsonst?

Hinter mir lagen schwere Jahre. Ich wurde mit einer degenerativen Herzerkrankung geboren, die sich aber seltsamerweise nicht so bemerkbar machte, als ich noch ein Baby war. Ich konnte ein normales Leben führen. Meine Schultage waren mit Freunden, Kino und Ballspielen ausgefüllt. Das Leben war schön. Dann, im ersten Jahr an der weiterführenden Schule, brach die Herzerkrankung aus, und die Unbeschwertheit meines bisherigen Lebens hatte ein Ende. Als ich auf dem Weg zu meiner Großmutter hinten im Auto saß, spürte ich mein erschöpftes, angeschlagenes Herz wie wild in meiner Brust klopfen. Lange würde es nicht mehr durchhalten. Ich versuchte mich auf all die guten Dinge zu konzentrieren, die mir widerfahren waren. Zuerst war ich durch die Vermittlung unseres Hausarztes auf die Transplantationsliste gesetzt worden. Dann, als alles so aussah, als ob das nötige Geld für die Operation beim besten Willen nicht aufzutreiben wäre, sprangen die Bürger meiner Heimatstadt ein, um mir zu helfen. Durch verschiedene Projekte, wie zum Beispiel Kuchenverkäufe, wurde das Geld zusammengetragen. Freunde, Bekannte und sogar Wildfremde spendeten Blut. Für all diese Unterstützung wollte ich dankbar sein; doch es war alles umsonst, wenn ich kein neues Herz bekäme! Als mein Vater den Wagen in die Auffahrt unseres Hauses lenkte, riss meine Oma die Haustür auf und wedelte wild mit den Armen. Vor Freude, uns zu sehen, dachte ich.

„‚Ich würde alles dafür geben, mit dir tauschen zu können, mein Sohn‘, sagte mein Vater.“

Steigen Sie sofort ein!

„Sie haben ein Herz!“, rief sie uns aufgeregt entgegen, „Ihr müsst sofort zurückfahren! Sie haben ein Herz und haben die ganze Zeit versucht, euch zu finden! Die Suchmeldung kam sogar über Radio!“ – „Sie haben ein Herz?“, stammelte mein Vater. „Ja, aber es kann nur bis halb fünf konserviert werden; jetzt ist es drei Uhr fünfundzwanzig!“ Wir sahen uns an, alle im Schock. Die Rückfahrt nach Palo Alto würde über anderthalb Stunden dauern. Aber Großmutter hatte schon weiter geplant. „Wir haben ein Privatflugzeug gechartert!“, sagte sie. Noch während sie sprach, hielt ein Streifenwagen vor unserer Einfahrt. „Steigen Sie sofort ein!“, rief der Polizist. „Wir bringen Sie zum Flughafen!“ Unser Rennen gegen die Zeit begann. Der Streifenwagen raste mit uns zum Flughafen, wo ein Pilot neben einer kleinen Cessna abflugbereit wartete. In Palo Alto wartete bereits ein Krankenwagen am Rollfeld und brachte uns die letzten Meilen zum Krankenhaus. Wir kamen um genau vier Uhr sechsundzwanzig im medizinischen Zentrum an; uns blieben vier Minuten! Im Vorbereitungsraum gaben mir die Ärzte Medikamente, die die mögliche Abstoßreaktion meines Körpers verhindern sollten. In einer Ecke des Raumes stand ein Radio, und ich hörte, dass der Nachrichtensprecher meinen Namen nannte und die Zuhörer bat, eine stille Minute zum Gebet einzulegen, da meine Operation nun unmittelbar bevorstand. In diesem Moment betete auch ich. Mutter und Vater warteten mit mir. „Ich würde alles dafür geben, mit dir tauschen zu können, mein Sohn“, sagte mein Vater. Mutter hielt ihr Ohr an mein hämmerndes Herz. „Ich kann es hören“, sagte sie. „Morgen wird es ein anderes Geräusch machen“, antwortete ich. Dann gab ich ihr die Karte, die ich in der Hand hielt, auf der das Angebot aus dem biblischen Buch Hesekiel stand: „Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist“ (Kapitel 36, Vers 26).

„Für all diese Unterstützung wollte ich dankbar sein; doch es war alles umsonst, wenn ich kein neues Herz bekäme!“

Ich war zutiefst gerührt

Zwei Tage nach der Operation konnte ich im Bett aufgerichtet werden. Ich hatte zwar große Schmerzen im Brustraum, aber da war noch etwas: Ich konnte zum ersten Mal seit zwei Jahren mein Herz nicht spüren! Meine Familie stand draußen vor dem Fenster meines Zimmers. Alle hatten sich seltsam aussehende sterile Kittel, Handschuhe und einen Gesichtsschutz anziehen müssen. Nur zwei konnten mich zur gleichen Zeit besuchen. „Frohe Weihnachten, Dan!“, sagte meine Mutter. Ach ja, es war ja Heiligabend. Erst vor wenigen Tagen hatte ich mich gefragt, welchen Sinn es überhaupt machte, das zu feiern. Die Schwester brachte mir einen großen Stapel Post. All diese Karten! Viele mir wildfremde Menschen schrieben, sie hätten für mich gebetet. Ich war zutiefst gerührt. Wir öffneten einen Brief nach dem anderen und lasen jeden laut vor, bis wir zu einem aus dem Mittleren Westen kamen. Nach wenigen Zeilen hielt ich inne, weil ich nicht mehr weitersprechen konnte. „Dan, was ist das für ein Brief?“, fragte mein Vater. Mit heiserer Stimme las ich: „Lieber Dan, auch wenn wir dich nicht kennen, fühlen wir uns deiner Familie verbunden. Unser einziger Sohn, Leonard, hat dir sein Herz gespendet. Der Verlust von Leonard ist so viel leichter zu verkraften, weil wir wissen, dass du nun sein Herz trägst. Mit all unserer Liebe, Paul und Barbara Chambers.“

Dan Krainert

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