Zum Nachdenken

Was Hoffnung weckt

Aus der Ausgabe Winter 2024

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Wenn ich an Weihnachten denke, kommen mir sofort die gemütlichen und besinnlichen Abende im Kreise der Familie oder mit guten Freunden in den Sinn. Es ist eine Zeit voll schöner Rituale: den Tannenbaum aufstellen, Plätzchen backen, zur Christvesper gehen, abends gemeinsam lachen, Geschenke verteilen und bekommen. Weihnachten weckt in mir auch die Hoffnung auf ein besseres Leben und eine bessere Welt – auf Frieden. Ich denke, dass es vielen so geht.

Von Anfang an

Doch Weihnachten kann auch stressig sein und manchmal auch konfliktvoll. Weil alles perfekt sein soll, sind die Erwartungen hoch und die Enttäuschung groß, wenn es nicht wie geplant läuft. Wir wünschen uns oft, dass wir uns einfach alle vertragen könnten, aber so einfach ist das nicht immer. Weihnachten soll ein Friedensfest sein, doch die Realität zeigt oft das Gegenteil. Im Privaten wie auch in der Gesellschaft oder in der Politik. So fühlt sich Weihnachten manchmal nach Weltflucht an. Für ein paar Tage spielen alle heile Welt. Aber hat Jesus nicht Frieden verheißen? In der Weihnachtsgeschichte, wie sie im Lukasevangelium beschrieben wird, rufen die Engel: „Friede auf Erden“. Ist hier nicht ein starker Gegensatz, wenn wir uns die Erde heute anschauen? Aber friedlich war es ja damals auch nicht. Wenn wir genau hinsehen, entdecken wir: Jesus bringt Konflikte. Von Anfang an! Unser Bild von der Weihnachtsgeschichte ist oft sehr idyllisch: Eine sternenklare Nacht, das Baby liegt ruhig in der Krippe, Hirten und weise Männer, die niederknien. Doch die eigentliche Weihnachtsgeschichte zeigt auch Gewalt, Kampf und Auseinandersetzung.

„Das bedeutet, dass wir uns selbst hinterfragen müssen. Sind wir bereit, unseren Egoismus aufzugeben?“

Nicht nur harmonisch

Matthäus erzählt von einem neuen König (Jesus), der geboren wird, während der alte König (Herodes) noch lebt. Das ist eine klare Kampfansage. Man kündigt keinen neuen König an, während der alte noch lebt. Wahrscheinlich wussten die Weisen aus dem Morgenland nicht, was sie mit ihrer Frage nach dem neuen König ausgelöst hatten. Herodes, der um seine Macht fürchtet, reagiert brutal auf den „neuen König“. Zur Weihnachtsgeschichte gehört auch dieser fürchterliche Kindermord von Herodes. Aber auch im Lukasevangelium wird deutlich, dass Jesus polarisiert. Was Lukas kommuniziert, ist viel dezenter. Er schreibt das Lied von Maria nieder, in dem sie von einem Retter singt, der die Mächtigen vom Thron stößt und die Niedrigen erhebt. Das ist keine Harmonie, sondern ein Aufruf zur Veränderung. Revolution. Jesus, der Friedefürst – ein Revoluzzer? Irgendwie schon. Jesus selbst sagt im Matthäusevangelium, dass er nicht gekommen ist, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Das klingt bedrohlich. Ist Jesus also kein Friedefürst? Doch! Jesus bringt Schalom – seinen Frieden. Aber Frieden muss man auch wollen! Vor allem seinen Frieden. Shalom ist der hebräische Begriff für Frieden, der weit über das hinausgeht, was wir mit Frieden verbinden. Es ist ein Zustand, in dem alles in perfekter Harmonie steht. Doch wir haben keinen Schalom. Egoismus und Ungerechtigkeit verhindern ihn. Wenige haben viel und viele haben (zu) wenig. Jesus bringt einen Frieden, der Konfrontation schafft, weil er auch die Strukturen durchbrechen will, die das Leben kleinhalten oder sogar zerstören. Sein Friede provoziert, weil in seinem Reich Selbstaufgabe Gewinn ist, Zurücktreten einen vorwärtsbringt, Geben reich macht, die Ersten die Letzten sind und Gnade die mächtigste Kraft ist.

„Unser Bild von der Weihnachtsgeschichte ist oft sehr idyllisch: Eine sternenklare Nacht, das Baby liegt ruhig in der Krippe, Hirten und weise Männer, die niederknien.“

In Balance

Jetzt denke ich schnell an die Machthaber dieser Welt, von denen ich meine, dass sie anders leben sollten. Aber ich sollte zunächst an mich denken. Es reicht mir oft nicht, neben den anderen zu stehen, ich würde lieber über ihnen stehen. Ich bin schnell bereit, meine Fehltaten zu entschuldigen, aber träge, wenn es darum geht, auch die anderen zu „entschuldigen“. Genug fühlt sich selten nach genug an. Dankbarkeit kommt schwer, Undank dagegen sehr leicht. Und ich vermute, das geht vielen anderen genauso wie mir. Letztlich entsteht Schalom nur dort, wo wir uns Gott und seinen Geboten unterordnen, weil sie uns helfen, in Balance zu leben. Das bedeutet, dass wir uns selbst hinterfragen müssen. Sind wir bereit, unseren Egoismus aufzugeben? Jesus ruft uns auf, ihm zu folgen und in seinem Reich zu leben, wo Schalom herrscht. Das ist eine Herausforderung, aber auch die Einladung zu einem erfüllten Leben.

Gottes Reich

Weihnachten weckt in uns die Hoffnung auf eine bessere Welt, weil Jesus Frieden möglich macht. Frieden mit Gott und dadurch Frieden miteinander. Darum beten wir als Christen auch weltweit immer wieder das Vaterunser, in dem wir darum bitten, dass Gottes Reich kommt. Die Weihnachtstage erinnern uns daran, dass Gott uns liebt und uns helfen will, ein Leben in Frieden zu führen. Weihnachten ist ein Hoffnungsfest. Weihnachten zu feiern und zu genießen, ist darum auch keine Weltflucht, sondern es ist ein Üben für die Zeit, in der Gottes Reich anbricht und alles übernimmt. Der Friedefürst ist da und sein Friedensreich kommt. Einfach himmlisch.

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