Zum Nachdenken

Einfach fallen lassen

Aus der Ausgabe Frühling 2025

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Es ist eine Tradition unserer Gemeinde, dass sich im ersten Gottesdienst des neuen Jahres jeder einen persönlichen Jahres-Losungs-Bibel-Vers ziehen darf. Dieser dient als persönlicher Zuspruch Gottes, oder als Erinnerung an seine guten Zusagen. So auch 2025. Und da kommt dann nach dem Gottesdienst eine Frau auf mich zu und erzählt mir, dass sie nun drei Jahre in Folge einen Zuspruch gezogen hat, dass sie sich keine Sorgen machen soll. Das hat sie sehr berührt, nachdenklich gemacht und herausgefordert. Damit steht sie sicher nicht allein da, gehe ich doch davon aus, dass sich die meisten Menschen ein sorgloses Leben wünschen.

Soweit zur Theorie

In der Bergpredigt ermutigt Jesus seine Zuhörer dazu, sich keine Sorgen zu machen. Nachzulesen in Matthäus 6, 25–34. Doch allein der Appell zu einem sorgenfreien Leben reicht noch nicht aus, um ein sorgenfreies Leben zu führen, oder? Ich erinnere mich dabei an eine Situation, die ich mit meiner Familie erlebte. Wir waren in einem Hochseilgarten, ganz oben in den Baumgipfeln unterwegs. Da kamen wir an eine Plattform heran, die etwa zwanzig Meter über der Erde ist. An dieser Plattform befindet sich eine Seilwinde, an der man sich mit seinem Karabinerhaken sichert. Beim Sprung in die Tiefe soll das Seil dann auf Spannung gehen und die Person sanft auffangen. Soweit die Theorie. Doch obwohl schon hunderte Menschen vor mir diesen Sprung gewagt haben, stehe ich da oben auf der Plattform und bin persönlich herausgefordert den Sprung zu wagen. „Mach dir keine Sorgen“, ist in diesem Moment eine nicht sehr hilfreiche Parole. Doch irgendwann wage ich den Sprung und lande sehr sanft unten auf dem Waldboden.

 

„Ich glaube, dass es dabei auch um das Einsetzen unserer Gaben, unserer Kreativität, unserer Talente und unserer Kraft geht.“

Kannst du wegwerfen

All eure Sorgen werft auf ihn, auf Gott; denn er sorgt für euch. So drückt es Petrus in seinem Brief aus (1. Petrus 5,7). Er macht den Christen Mut, die Sorgen, die ihnen im Leben begegnen, Gott anzuvertrauen. Denn der hat die Macht, für uns zu sorgen. Das versichert Petrus uns aus seiner persönlichen Lebenserfahrung. Das „Sorgenwerfen“ ist dabei nichts Passives. Es bedarf unsererseits ein aktives und bewusstes Loslassen. Im Bild des Hochseilgartens gesprochen, musste ich mich dieser Seilwinde anvertrauen, welche die „Macht“ hat, mich gut und sanft auf dem Boden landen zu lassen. In diesem Bild gesprochen ist Gott derjenige, der uns sanft auffangen kann. Deshalb sollen wir ihm unsere Sorgen anvertrauen. Wir hängen uns an ihn und wagen den Sprung.

Die Antwort ist Nein

In einer ähnlichen Weise macht Jesus seinen Zuhörern in der Bergpredigt Mut: Vertraut Gott und macht euch um die täglichen Herausforderungen keine Sorgen. Dabei stellt er ihnen eine provozierende Frage: „Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern?“ (Matthäus 6,27). Im Grunde ist das eine hypothetische Frage. Denn die logische Antwort lautet: Niemand. Einfach dasitzen und sich Sorgen machen, hat noch nie ein Problem gelöst. In der Regel verlängert das Grübeln auch nicht unbedingt unser Leben. Denn sich Sorgen machen beinhaltet folgendes: „Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Sorge in erster Linie eine mehr oder weniger konkrete, mitunter länger anhaltende Befürchtung oder seelische Bedrückung“ (Wikipedia). Untätig alle Befürchtungen durchzudenken, lässt uns eher verzweifeln, als diese zu lösen. Denn grübelnde Sorgen rauben uns die Kraft zum Leben. Gott möchte aber, dass wir das Leben mit ihm zusammen gestalten.

Volle Aufmerksamkeit

Ich denke, dass der Ansatz zur Problemlösung, den Jesus uns in der Bergpredigt gibt, an einer ganz anderen Stelle liegt. Nämlich in Matthäus 6,21. Hier sagt Jesus folgendes: Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Diese spannende Aussage ist die Einleitung zum Thema der Sorglosigkeit. Zuvor fragt Jesus metaphorisch, wo wir unserer Schätze aufbewahren. Diese Aufbewahrungsorte, welche auch immer sie sind, haben die Tendenz, unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen und zu fesseln. Damit verbunden kreisen unsere Gedanken und Sorgen um das Bewahren dieser Schätze. Wenn so etwas wie Motten, Rost und Diebe uns diese Schätze rauben können, sollten wir sie schützen. Wir wollen, ja wir müssen, unseren Schatz bewahren! Das löst eine gewisse Unruhe und Besorgnis in uns aus. Daher die Schlussfolgerung: Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

„Einfach dasitzen und sich Sorgen machen, hat noch nie ein Problem gelöst.“

Der sicherste Ort

In dieser Spannung und mit Hinweis auf diese Tatsache lädt Jesus uns ein, Schätze dort zu sammeln, wo keine Motten, Rost und Diebe hinkommen. Wir sollen uns Schätze im Himmel sammeln. Dort ist der sichere Ort. Hier werden Schätze mit Ewigkeitswert gesammelt. Das ist ein besserer Ort. Hier soll unser Herz sein.

Weil das ein sicherer Ort ist, an dem Gott für die Sicherheit unserer Schätze sorgt, ist die logische Konsequenz von Jesus zu diesem Thema: Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt, und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen. Quält euch also nicht mit Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat. (Matthäus 6,33–34)

Misson accepted

Jeder Tag hat seine eigenen Herausforderungen. Für mich bedeutet das, nicht untätig dazusitzen, sondern Verantwortung für den Tag zu übernehmen. Verantwortlich, gemäß dem Reich Gottes meine Tagesherausforderungen zu erledigen. Gemeinsam mit Gott den Tag zu gestalten, damit seine Herausforderungen so erledigt oder angegangen werden können, dass sie zu Schätzen im Himmel werden. Ich glaube, dass es dabei auch um das Einsetzen unserer Gaben, unserer Kreativität, unserer Talente und unserer Kraft geht. Wenn unser Leben voll von sorgenvollem Grübeln ist, wird das unsere Vitalität lähmen. Deshalb werfen wir vertrauensvoll alle unsere lähmenden Sorgen auf Gott, der sich ihrer annimmt und uns Kraft gibt, unsere Aufgaben seinem Reich entsprechend anzupacken. 
 

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