Zum Nachdenken

Ich will anders leben

Aus der Ausgabe Frühling 2022

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Mir reichts. Ich habe genug. Ich habe tatsächlich genug Essen und Trinken auf dem Tisch, sowie einen vollgepackten Tiefkühlschrank und über einhundert Einweckgläser mit selbstgemachten Köstlichkeiten. Mehr als genug, um satt zu werden. Ich habe ein bequemes Bett und genügend Schlafmöglichkeiten für alle fünf Enkel. Ich besitze genügend Schuhe, Hosen, Blusen, Jacken und Schmuck in verschiedenen Schränken und Schubladen, genügend Stühle und Sessel in und auf denen meine Gäste und ich es sich bequem machen und Gemeinschaft pflegen können, genügend Lampen, Bilder, Geschirr, Pflanzen, Blumen, Kerzen und Deko zum Wohlfühlen. Ich habe am Ende des Monats sogar noch Geld übrig für andere. Ich habe genug. Es reicht. Keine Werbung soll mir suggerieren, was ich im Leben noch so alles brauchen könnte. Weder ein Gutschein von 15,– Euro noch 20% Rabatt sollen mich zu überflüssigen Einkäufen verführen.

Die neue Genügsamkeit

Auch wenn für meine Eltern, die zur Nachkriegsgeneration gehörten, „weniger“ nicht als Mehrwert verstanden und erlebt wurde, scheint mir eine gewisse Genügsamkeit ein genialer Gegenentwurf zur aktuellen Reizüberflutung zu sein. Inzwischen kann ich mich begeistern lassen für den neuen Trend, bewusster und nachhaltiger zu konsumieren. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen: ich will anders leben. Das muss erstmal eingeübt werden. Weiß ich! Aber bekanntlich ist die Erkenntnis der erste Schritt hin zur Besserung. Auch der erste Schritt zum Neuanfang. Der erste, mutige Schritt hin zu Genügsamkeit, Zufriedenheit und einem neuen Glück. Ich habe mich entschieden, nichts von alledem, was ich jetzt habe, auszusortieren oder zu entsorgen, sondern ich möchte mich bewusst zufriedengeben mit meinem Istzustand, mit dem, was ich habe oder auch nicht habe – und das so lange wie möglich. Sollte ich tatsächlich in Zukunft etwas brauchen, und nicht nur haben wollen, werde ich mir das gut überlegen und es mir eventuell anschaffen. 

„Es geht mir um Genügsamkeit, nicht um eine radikale Enthaltsamkeit oder Entrümpelung.“

Ein wahres Wunderwerk

Es geht mir um Genügsamkeit, nicht um eine radikale Enthaltsamkeit oder Entrümpelung. Ich will mich immer wieder daran erinnern, dass nichts und niemand auf dieser Erde perfekt ist, und auch nicht perfekt sein muss: keine Inneneinrichtung, kein Abendessen für Gäste, kein Outfit für die nächste Party und keine Urlaubsreise. Ich will mein Wollen und Tun immer wieder neu ausrichten lassen – einfach so, weil Gott es will. Und was er will, das bringt er mir behutsam in kleinen Erkenntnis-Schritten bei, oder er überzeugt mich von seinen guten Ideen von jetzt auf gleich durch sein Wort. Ich erlebe es als ein wahres Wunderwerk, was allein eine Tageslosung mitten im Alltag an meinem Denken und Wollen verändern kann, wie zum Beispiel der Gedanke aus 1. Mose 3,6: „Die Frau (Doris) sah, dass von dem Baum (Geld) gut zu essen (kaufen) wäre und dass er (es) eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er (es) klug (Spaß) machte“ in Zusammenhang mit Römer 12,2: „Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt, sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene!“ 

Kaufen an sich ist nicht falsch, aber überflüssiges Kaufen schon. Ja, was soll ich sagen? Ich habe mich von meinem besten Freund und Erlöser überzeugen lassen und mir dieses neue Lebensmotto ausgewählt: Ich will anders leben und leuchten für Jesus, indem ich ihm nachfolge in kleinen und großen Schritten.  

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