Zum Nachdenken

Einmal Glück im Einmachglas

Aus der Ausgabe Frühling 2020

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Immer wieder wünschen wir einander Glück, sei es zum Geburtstag oder vor einer großen Herausforderung: „Da wünsche ich dir viel Glück.“ In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ist sogar das „Streben nach Glück“ als ein Gott-gegebenes Recht verankert. Was aber meinen wir eigentlich damit? Obwohl das Wort „Glück“ so gängig ist, gibt es keine klare Definition davon. Es ist schwierig, eine zu formulieren. Das liegt auch daran, dass Glück für jeden Menschen etwas anders aussieht. Glück hat auch viel mit unseren eigenen Bedürfnissen, Werten und sogar unseren Ängsten zu tun. Wir reden auch dann von Glück, wenn etwas Schlimmes nicht eingetroffen ist. „Da haben wir aber noch mal Glück gehabt.“ Wir empfinden Glück, weil es uns gut und nicht schlecht ergeht. Um überhaupt Glück empfinden zu können, müssen also auch Tiefen möglich sein. 

Mehr brauch ich nicht

Mir stellt sich die Frage: Ist das Glück in unseren Leben eigentlich kontrollierbar oder sogar manipulierbar? Wenn wir sagen „Glück gehabt“, dann beschreiben wir doch etwas Zufälliges. Etwas, das außerhalb unseres Einflusses lag. Anderseits sagt der Volksmund auch: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“ Die alten biblischen Weisheiten helfen uns hier sehr gut weiter und werden auch von der modernen Glücksforschung bestätigt. In der bekannten Bergpredigt zum Beispiel lesen wir von den sogenannten Seligpreisungen. Hier beschreibt Jesus, wer sich aus Gottes Perspektive gesehen glücklich schätzen darf, oder selig ist, wenn man eine andere Übersetzung liest. Das, was Jesus da sagt, geht oft genug aber nicht einher mit dem, was wir uns so vorstellen. Wenn wir uns glückliche Menschen vorstellen, dann haben wir oft klare Bilder davon im Kopf, wie die wohl aussehen: attraktive Menschen, die vor einem schönen Einfamilienhaus stehen, vor dem gesunde, „süße“ Kinder fröhlich, aber nicht zu wild und lärmend, spielen. Wir denken an Menschen, die schöne Urlaubsfotos auf Instagram und Facebook posten. Glück entsteht durch die passenden Umstände: Der großartige Urlaub. Die gesunden Kinder. Der richtige Partner.

„Stimmt das? Oder machen wir uns da etwas vor? In der Bergpredigt lesen wir, dass diejenigen glücklich sind, die ihre eigene Unfähigkeit anerkennen. Menschen, die sich nach Frieden sehnen und sich dafür stark machen. Glücklich sind für Gott all jene, die sanftmütig sind und ein reines Herz haben. Um nur einige zu nennen.“

Das Glück, das hier beschrieben wird, ist nicht abhängig von Umständen. Sogar die Verfolgten werden als glücklich bezeichnet. Glück ist hier eine innere Haltung. Mehr noch: Glück ist nicht darin zu finden, dass es uns gut geht, sondern entsteht dadurch, dass wir das Leben von anderen verbessern. Einem Menschen ein Kompliment machen, ihm ein ermutigendes Wort weitergeben, oder ihn loben. Das tut nicht nur dieser Person gut, sondern auch uns selbst. Probieren Sie es mal aus. Schreiben Sie an jemanden einen aufmunternden Brief, wenn es Ihnen selbst mal schlecht geht. 

Warum hat der mehr als ich?

Es gibt durchaus Situationen in denen wir nicht leiden, weil wir zu wenig bekommen, sondern weil wir uns mit anderen vergleichen. Durch das Vergleichen fügen wir uns also selbst Leid zu, und dies ist auch logisch. Denn oft geht es uns nicht darum, einfach genug zu haben, sondern wenigstens genauso viel die anderen. Ohne den Blick auf andere wären wir wahrscheinlich viel häufiger zufrieden. Es ist leider eine traurige Wahrheit: nicht mehr Geld macht uns glücklicher, sondern mehr Geld als andere zu haben stimmt uns gut. Wer sein Glück von materiellem Besitz abhängig macht, wird jedoch bald feststellen, dass immer mehr zu besitzen, immer weniger Freude macht. 
Das Glück, das durch materielle Dinge entsteht, ist flüchtig. Nachhaltiger ist dagegen das Beziehungsglück. Der dreieinige Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen. Das heißt, wir sind geschaffen nach einem Gott, der seit jeher in guter Gemeinschaft lebt. Deshalb ist für uns Gemeinschaft auch so wichtig; zum Beispiel gute Freundschaften. Die gemeinsamen Familienmahlzeiten. Das macht uns glücklich. So herum betrachtet, kann das Geld auch einen Beitrag zum glücklich sein leisten. Nämlich dann, wenn wir es für gemeinsame Erlebnisse verwenden: Eine Städtereise mit dem Partner, Campingurlaub mit der Familie, eine Grillparty mit Freunden. Und weil Beziehungen so wichtig sind, deshalb ist es auch entsprechend wichtig, dass wir Versöhnung erleben. Versöhnung mit Gott, aber auch mit unseren Mitmenschen. Nichts sind so große Glücksdiebe wie Streit, Neid und Bitterkeit. 

Der Faktor Nummer EINS

Die Glücksforschung bestätigt: Ein starker Glaube macht glücklicher. Maike van Boom schreibt in ihrem Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück“: „Glaube bekräftigt die seelische Widerstandsfähigkeit und Unverwüstlichkeit. Er ist gleichsamdas Immunsystem der Seele. Denn Glaube ist eng verbunden mit Hoffnung und Vertrauen auf eine Erlösung, die weit über das irdische Leben hinausweist.“ Und das ist doch logisch. Wir leben in einer gefährlichen Welt, und – egal wieviel Glück wir haben – es besteht immer die Gefahr, dass es abrupt endet. Keiner von uns weiß, was morgen sein wird, und keiner von uns weiß, wie lange er zu leben hat. In diese tiefe Angst hinein spricht Gott zu uns. Gott lädt uns in eine ewige Beziehung zu sich ein. Wer mit Gott lebt, darf wissen, dass er von dem getragen und begleitet wird, dessen Macht uns durch den Tod hindurch trägt. Dieser Mensch darf wissen, dass Gott immer bei ihm ist. 

Glück kann man leider nicht konservieren. Wer versucht, Menschen oder Situ¬ationen einzufrieren, wird schnell merken, dass man dabei das Glück erstickt. Mit dem Glück ist es wie mit der Liebe. Man muss etwas riskieren. Wer Beziehungen haben will, muss rausgehen und auch mal den ersten Schritt riskieren. Wer gibt, riskiert Undank. Wer sich öffnet, riskiert es verletzt zu werden. Man muss aber die Täler mitnehmen, denn nur in der Abgrenzung zu ihnen kann man die Höhen als Höhen erkennen. Und ganz wichtig: Gerade dann, wenn es einem richtig gut geht, dann muss man einfach den Moment genießen. Glück kann man nicht machen und auch nicht kaufen, aber man kann das Leben etwas glücklicher machen, indem man in Beziehungen investiert. In die Beziehung zu Gott und zu unserem Nächsten. Das schafft eine andere innere Haltung, die einem eine Ruhe und Ausgeglichenheit schenkt, die auch durch die schwierigen Situationen trägt. Dann heißt es nicht mehr „Glück gehabt“, sondern „Gott sei Dank“.

Magazin Frühling 2020

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