Kolumne

Den Lügen nicht glauben

Aus der Ausgabe Sommer 2025

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Tony Beltran wächst in Armut auf – aber er weiß es nicht. Das erste Mal wird er mit der Wahrheit über seine Situation konfrontiert, als er eines Tages nach Hause geht, weil er Geld braucht, um einen Stift zu kaufen. Als er in die Küche kommt, findet er seine Mutter kniend und betend: „Herr, wir haben nichts zu essen. Wir haben nichts außer dir, oh Herr.“ Der Schock sitzt tief.

Du bist wertlos

Die Armut sagt Tony: „Du bist wertlos.“ Sie sagt ihm: „Gott kümmert sich nicht um dich.“ Und sie fragt: „Bist du nicht selbst schuld?“ Im Alter von sieben Jahren beginnt der Junge zu arbeiten, läuft in seiner Nachbarschaft herum und putzt den Leuten die Schuhe, verkauft Maisbrot, Süßigkeiten oder Popcorn auf der Straße. Als er von Mitarbeitern der Kirchengemeinde in seinem Viertel ins Compassion-Förderprogramm eingeladen wird, beginnen die Dinge eine positive Wendung zu nehmen.

Tony nimmt regelmäßig am Programm des Kinderzentrums teil, hat dort aber keine konkreten Aufgaben. Irgendwann wird Tony von seiner Patin gefragt: „Und wie dienst du dem Kinderzentrum? Was tust du für die anderen Kinder?“ Sie weiß, dass Tony gut mit Computern umgehen kann, und bittet ihn, das auch anderen Kindern beizubringen. Und Tony tut es. Als er der Frau davon erzählt, schreibt sie zurück: „Tony, ich bin so stolz auf dich. Es ist toll, dass du in deinem Alter bereits anderen den Umgang mit dem Computer beibringst.“ 

„Inmitten der niederschmetternden Stimmen der Armut schickte Gott mir Menschen, die eine andere Botschaft für mich hatten.“

Du bist wertvoll

Diese Art der Ermutigung hat Tony so lange in seinem Leben gefehlt. Er beginnt, sich immer mehr im Kinderzentrum zu engagieren. Dadurch wird die Verbindung zu den Menschen gestärkt, die Wahrheit in sein Leben bringen – wie zur Leiterin des Zentrums, die ihm weitere Gelegenheiten gibt, und zu seinem Pastor, der ihn eines Tages einlädt, sich auch in der Gemeinde einzubringen. „Inmitten der niederschmetternden Stimmen der Armut schickte Gott mir Menschen, die eine andere Botschaft für mich hatten“, sagt Tony heute, „die mir sagten, dass ich wertvoll bin.“

Als Tony älter wird, will seine Mutter, dass er auf die Hochschule geht. Er lacht, hält das für unmöglich, doch Gott öffnet die Tür: Tony macht einen Abschluss in System- und Anlagentechnik. „Als ich 7 Jahre alt war, putzte ich Schuhe auf der Straße. Als ich 14 war, reparierte und montierte ich Computer. Und als ich 23 war, war ich bereits IT-Manager für eine Gruppe von Unternehmen im Osten der Dominikanischen Republik“, sagt Tony. „Warum? Weil jemand beschloss, mich zu fördern und in mein Leben zu investieren. Weil jemand beschloss, selbst Opfer zu bringen, um mir eine Chance zu geben.“

Später erwarb Tony einen Master in Theologie und ist heute, glücklich verheiratet, Landesdirektor von Compassion für die Dominikanische Republik. Jetzt ist er derjenige, der Hoffnung in das Leben von Kindern und Jugendlichen in Armut bringt.

Steve Volke

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