Kolumne

Murphy hat Recht gehabt

Aus der Ausgabe Frühling 2023

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Foto: Unsplash

Weil unser erster Flieger in Frankfurt falsch betankt und zu vollgepackt worden war und dies erst von Experten geklärt werden musste, verpassten wir unseren Anschlussflieger von Heathrow nach Vancouver. Nach langem Warten wurde unser Flug endlich umgebucht und unsere Koffer umgeleitet auf einen Flug am nächsten Tag. Als Entschädigung bekamen wir eine Übernachtung im Hotel mit Gutscheinen für ein Abendessen und Frühstück und die Anweisung, pünktlich am nächsten Tag am Flughafen zu sein, um sicherzustellen, dass unsere Koffer umgeleitet werden. 

Das ging ja noch

Aber wie will man irgendwo in London pünktlich sein, wenn Bus und Bahn streiken und alle Shuttles und Taxen ausgebucht sind? Dank UBER-Taxen und einer in diesem Fall willkommenen Verspätung unseres Fluges waren wir rechtzeitigan Bord und nach neun Stunden an unserem Ziel – Vancouver. Unsere Koffer aber leider nicht. Erst nach zwei Tagen tauchte der Koffer meines Mannes auf, meiner blieb verschollen. Was ich niemals für möglich gehalten hätte, war, dass ich in der ganzen Urlaubszeit ein und dasselbe Outfit getragen und dabei festgestellt habe: Das geht! Handgepäck reicht, und man hat außerdem morgens nicht die Qual der Wahl!

Schlimmer geht immer

Am Tag vor unserer Heimreise wurde der Flughafen in Vancouver zeitweise geschlossen wegen eines Schneeeinbruchs. Viele müde und frustrierte Passagiere verbrachten die Nacht auf dem Boden des Flughafens zwischen tausenden von gestrandeten Koffern. Jeder hatte seine traurige Geschichte. Nicht nur wir. Das würde sich ändern, dachten wir, als unser Flug nicht abgesagt wurde und wir trotz erheblicher Verspätung tatsächlich an Bord waren. Nachdem der Flieger vollgetankt, enteist und auf der Rollbahn startklar war, hieß es plötzlich, wir dürften doch nicht fliegen, denn auf Grund der Verspätungen sei das Personal schon länger als rechtmäßig erlaubt im Dienst. Aus verschiedenen Gründen saßen wir dann insgesamt zehn Stunden im auf der Rollbahn geparkten Flieger, ohne Essen und Getränke. Danach hieß es, wir sollten alle aussteigen und einen neuen Flugbuchen. Aber wie will man aus einem Flieger aussteigen, wenn die für die Rolltreppen verantwortliche Firma nicht auftaucht, um die Rolltreppe – die neben dem Flugzeug stand – an den Flieger zu bringen!? Endlich im Flughafen, erhielten wir die gute Nachricht, dass es doch noch einen Flieger nach Europagäbe. Nach einer Reisezeit von insgesamt 93 Stunden sind wir endlich in Deutschland angekommen, allerdings wieder ohne Koffer. Es gibt nichts, was es nicht gibt!

 

„Gott hat mir vor vielen Jahren ein neues, gutes Herz geschenkt, aber es liegt dennoch an mir, das Gute bewusst freizusetzen – auch dann, wenn ich mitten im Chaos stecke.“

Ich bin kein Spielball

Meine allergrößte Herausforderung bei dieser Odyssee war, mitten im Chaos all das Gute freizusetzen, das Gott mir geschenkt hat, als ich ihm mein Herz gab. Er hat mir vor vielen Jahren ein neues, gutes Herz geschenkt (Hesekiel 36,26), das alle Früchte des Geistes besitzt (Galater 5,22–24), aber es liegt seitdem dennoch an mir, das Gute bewusst freizusetzen – auch dann, wenn ich mitten im Chaos stecke. Diese Reise bot mir Möglichkeiten, zu zeigen, wie ein neues Herz funktioniert, welches das Zeug hat, mit jeder Situation angemessen umzugehen. Diese Reise war eine Gelegenheit, persönlich zu erleben, dass Gottes Wille uns niemals irgendwohin führt, wo seine Macht nicht für uns sorgen kann, innerlich und auch äußerlich. Im Wissen, dass ich kein Spielball des Schicksals bin, und mit Vertrauen auf das Gute – ein Leben in Fülle, das mir versprochen ist (Johannes 10,10) – habe ich mich mit Gottes Hilfe jeden Tag bewusst für Freude, Humor und Gelassenheit entschieden und erlebt, dass von Gott berührte Herzen sehr lebendig sind (Epheser 2,4–5)! So lebt sich’s gut. 

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