Kolumne

Damit genug genug sein kann

Aus der Ausgabe Herbst 2024

3

Alle Zeichen auf Wachstum

Es gibt unterschiedliche Gründe, Drogen zu nehmen. Die einen nehmen sie, weil sie leer sind, obwohl ihnen alle Wege, genug zum Leben zu haben, offenstehen. Genug zu essen haben sie mindestens, auch genug Möglichkeiten, gesund zu bleiben, Bildung zu bekommen, einen Beruf zu ergreifen. Manche von denen, die genug haben, verwenden einen Teil davon, um noch mehr zu bekommen. Mehr Lebenskomfort durch ein eigenes Haus, mehr Spaß durch ein Pferd oder dreihundertfünfzig davon unter der Motorhaube. Oder sie bringen einen Teil ihres Vermögens auf den Geldmarkt, verbunden mit der Hoffnung, es möge sich verdoppeln, verdreifachen – eben vermehren. Die Sehnsucht nach mehr scheint in uns verankert zu sein. Und trotzdem bleibt da immer die Gefahr der Leere, der enttäuschten Herzen und der achtlos zertrampelten Seelen. George Best, der englische WeltmeisterFußballer von 1966, hat gegen Ende seines Lebens einen markanten Spruch gebracht: „Die Hälfte meines Vermögens habe ich mit Alkohol und Frauen durchgebracht, den Rest habe ich einfach sinnlos verprasst!“ Besser ist diese Leere nicht auszudrücken.

Die großen Enttäuschungen

Die anderen Gründe, Drogen zu nehmen, sind leichter zu verstehen, aber deutlich schwieriger zu bewältigen. In Ruanda hat es die Jugendlichen getroffen. Sie haben keine Zukunftsperspektiven, kommen aus ärmsten Verhältnissen, sind in Dörfern aufgewachsen ohne Elektrizität, Wasser, Bildungschancen und jeglichen Komfort. Diese Jugendlichen kommen in die großen Städte wie Kigali, die Hauptstadt des Landes, um weitere große Enttäuschungen zu erleben. Denn hier wird ihre Situation nicht besser. Also nehmen sie den Stoff, der zunächst schöne Träume mit sich bringt. Doch bereits nach kurzer Zeit erleben sie die Abhängigkeit und die daraus resultierende Leere. Wieder nicht genug! Keine Hoffnung, keine Perspektive, kein Job, kein Geld, keine guten Beziehungen zu anderen Menschen – keine Liebe.

„Was hilft es eigentlich dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele?“

Was hilft es dem Menschen?

 „Was hilft es eigentlich dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele?“, hat Jesus einmal gesagt. Beschädigt sind beide erwähnten Gruppen – die, die alles haben, und die, die nichts haben. In Ruanda hat es in den letzten drei Jahren eine unglaubliche Wende gegeben. Über 340 Kirchen haben gemeinsam mit dem Hilfswerk „Compassion“ die Aktion „Free indeed“ (Wirklich frei) gestartet. Bis heute haben sich über 220.000 Jugendliche für ein Leben mit Jesus entschieden und sind von dem Zwang, Drogen zu nehmen, frei geworden. Sie gehören nun zu einer dieser Kirchen und besuchen regelmäßig den Gottesdienst. Natürlich gehört in Ruanda noch sehr viel mehr dazu, die Not zu lindern. Daher war besagtes Programm mit einem Bildungs- und Ausbildungsprogramm gekoppelt, so dass die Jugendlichen auch einen Grunderwerb entwickeln und materiell genug haben können. Damit genug genug sein kann.

Steve Volke

Aus dieser Ausgabe

Ich habe genug gelebt

Zum Nachdenken

Ich habe genug gelebt

Das kleine Wörtchen „genug“ kann einen bisweilen in den Wahnsinn treiben. Dann vor allem, wenn man es nicht zu fassen kriegt, wenn

Von Detlef Eigenbrodt

Das brauch ich alles nicht

Rat für den Alltag

Das brauch ich alles nicht

Die einen finden das ganz easy: zu sagen, was sie nicht brauchen. Andere brechen sich dabei eher einen ab und verzweifeln schweißgebadet

Von Dr. (Unisa) theol. Martina Kessler

Ich brauche Sehnsucht

Bibel verstehen

Ich brauche Sehnsucht

Manchmal meint man schnell, dass Menschen mit Sehnsucht und Wünschen zu den Unzufriedenen gehören. Zu denen, die nie genug bekommen können, die

Von Maren von Guérard

Lebensgeschichte

Das Leben ist schön!

Klingt das ein wenig nach Charlie Brown und den Peanuts? Macht nichts, es ist ja egal, von wem man die Wahrheit lernt.

Von Sabine Langenbach

Ich und ein Euro

Kolumne

Ich und ein Euro

Da bekommt das alte und oft nicht sehr beliebte „Haste ma ’n Euro?“ plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Immer diese Bettelei!? Evi

Von Evi Rodemann

Garten des Gedeihens

Rat für den Alltag

Garten des Gedeihens

Gutes Leben hat wenigstens so viel mit den persönlichen Einstellungen zu tun wie mit den äußeren Umständen. Vielleicht sogar mehr, meint Eva

Von Eva Dittmann PhD (Wheaton College)